soziale unruhen

Soziale Unruhen ad hominem

Sunday, May 3rd, 2009 | economics, life, politics | No Comments

Na gut, (d/n)och kein SPD-Post.

Ein gewisser Herr Eppler behauptet, Schwarz-Gelb könnte “Unruhe” bringen.

“Die Spaltung der Gesellschaft setzt Gewalt frei”, das könne man in Schwellenländern beobachten. Um dieser Gefahr in Deutschland zu begegnen, brauche es mehr sozialen Ausgleich. “Wir könnten uns gegen die Gefahr immunisieren”, meinte Eppler. Wenn es aber nach der Bundestagswahl zu einer Koalition von Union und FDP komme, sei eine Verschärfung der Probleme zu erwarten. “Wenn es Schwarz-Gelb gibt, dann werden wir ein ziemlich unruhiges Land werden”.

Das sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen. Deutschland, unruhig? Menschen, die auf der Straße demonstrieren und Luxuskarossen abfackeln? Bankschaufenster einschmeißen? Manager und den einen oder anderen Kellner oder Klavierspieler lynchen?

Zum Glück warnt uns Herr Eppler davor. Ganz desinteressiert. Seine rationale, sicherlich auf zahlreichen objektiven Informationen basierte Analyse zeigt uns kühl und souverän Kausalzusammenhänge auf, die wir nun wie glückliche rosa Osterhäschen durchschauen können und deren unfriedliche Konsequenzen wir nun doch nicht ertragen müssen.

Wer ist denn dieser rettende Herr Eppler? Sage und staune, man hätte es nie gedacht. Ein SPD-Politiker.

Wie jetzt? Aber trotzdem sind doch seine Warnungen sicherlich völlig ohne Hintergedanken? Nur die Sicherheit Deutschlands liegt ihm am Herzen? Seine Äußerungen sind doch sicherlich unabhängig von seinen parteipolitischen Interessen zu verstehen?!

Mal ganz im Ernst, seit wann ist eigentlich das ad hominem-Argument so diskreditiert?

Weil X etwas sagt, was man mit seinen eigenen Interessen erklären kann, bedeutet es natürlich nicht, dass dieses Etwas falsch ist. Aber die Einschätzung des Wahrheitsgehalts wird dadurch nicht leichter.

Aber bei Behauptungen mit ungewissen Wahrheitsgehalt wie die von Herr Eppler darf man bei der Bewertung seiner Aussagen die Eigeninteressen des Äußerers nicht außer Betracht lassen. Er hat schließlich alle Anreize der Welt, solche Behauptungen in die Welt zu stellen, ob sie nun war sind oder nicht. Und Erfahrung lehrt: was Politiker über die negativen Konsequenzen eventueller Wahlerfolge der politischen Gegner sagen, ist meistens Bullshit. Genau so wie das, was Politiker über die positiven Konsequenzen des eigenen Wahlerfolgs sagen.

Hat eigentlich schon irgendjemand, der nicht unmittelbar mit dem Klassenkampfspektrum der deutschen Politik im Verbindung steht, solche sozialen Unruhen als realistische Gefahr identifiziert?

In the meanwhile schlägt Frau Schwan einen runden Tisch zur “Wiedergutmachung” vor

Die Verursacher der Finanzkrise sollten sich dort versammeln, um über eine Wiedergutmachung zu beraten. “Die Bürger dürfen nicht das Gefühl haben, dass sich diese Leute jetzt einfach davonmachen können”, forderte die SPD-Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl dem Berliner “Kurier am Sonntag”. Eine pauschale Manager-Schelte sei aber “wenig hilfreich”, sagte sie in der “Rheinpfalz am Sonntag”.

Schwan forderte eine gründliche Aufarbeitung der Krise, um erneute Spekulationsblasen zu vermeiden. Es müsse dafür gesorgt werden, “dass Manager in Zukunft für offensichtliche Fahrlässigkeiten, die dann die Allgemeinheit ausbaden muss, auch angemessen haften”.

Zum Glück hat Frau Schwan, mit ihrer sicherlich überragenden wirtschaftlichen Kompetenz, die “Schuldigen” schon abschließend ausfindig gemacht. Vielleicht mag sie ja mal eine Liste von Menschen und den “offensichtlichen Fahrlässigkeiten”, die diese begangen haben, öffentlich machen? Am besten wäre es ja noch, gleich auch noch die Art der Wiedergutmachung festzulegen. Damit könnten soziale Unruhen sicherlich verhindert werden. Und zukünftige Spekulationsblasen, die ja nicht etwa durch so langweilige Sachen wie verfehlte Finanzpolitik oder staatliche Markteingriffe sondern durch “offensichtliche Fahrlässigkeiten” der Manager entstehen, gleich mit.

Wenn der Satz “Herr, lass Hirn vom Himmel regnen” sich nicht durch unrealistische religiöse Annahmen und sein Gebrauch durch Menschen, die als allererstes etwas Hirn nötig hätten, disqualifiziert hätte, würde ich ihn jetzt kommentarlos stehen lassen. Als beste Alternative schlage ich jedoch vor, den verehrten Sommer, Eppler und Schwan über postalischem Wege etwas wirtschaftswissenschaftliche Literatur zukommen zu lassen – vielleicht würde dies etwas ähnliches bewirken. But I won’t hold my breath.

Ich schwanke in der Entscheidung bezüglich der besten Interpretation des Warums der Worte solcher Menschen in den Medien. Entweder sie wissen es in Wirklichkeit besser, philosophieren fernab der Mikrofone über die tiefen Gründe aller Krisen und haben ihre Seele einfach für eine sozialdemokratische Machtübername an die Demagogie verkauft. Oder sie haben wirklich keinen blassen Schimmer und sind mit ihren Denkmustern in einer irrationalen, undurchdringbaren und ideologiegetränken Scheinwelt zuhause. Oder beides. Aber mit dem tatsächlichen Hier und Jetzt, den tatsächlichen Mechanismen wirtschaftlicher Turbulenzen oder den eigentlichen Problemen dieses Planeten und der darauf befindlichen Menschen haben ihre Ausführungen nur noch marginal etwas zu tun.

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potrit

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